Was ist TAR
Das Tir aux Armes Réglementaires (TAR) umfasst die Schießdisziplinen, die mit Waffen originalen militärischen Ursprungs praktiziert werden, in ihrer Konfiguration aus der Epoche, mit dem Kaliber, für das sie hergestellt wurden. Keine moderne Replik, keine Kosmetik. Ein echter Mas 36 von 1942, ein echter K98 von 1944, ein echter Mosin-Nagant von 1936 — aus dem Waffenschrank geholt, gereinigt und genau so geschossen wie damals.
Es ist eine anerkannte FFTir-Disziplin, national organisiert, mit einem strengen Reglement. Es gibt außerdem einen eigenen Verband, die FFTAR, der mit der FFTir bei den großen Wettkämpfen zusammenarbeitet. Für einen Schützen ähnelt es dem klassischen Präzisionsschießen — aber mit einer zusätzlichen Ebene: Du handhabst ein historisches Objekt, du benutzt ein Kaliber, das das letzte Jahrhundert geprägt hat, und du akzeptierst die mechanischen Zwänge der Waffe, so wie sie konzipiert wurde.
Die zugelassenen Waffen
Das TAR-Reglement definiert Kategorien nach Epoche und Mechanismus. Die Klassiker:
- Militärische Repetiergewehre: Mas 36 (1936, Frankreich), Lebel 1886/M93, Berthier 1907/15, K98 Mauser (1898, Deutschland), Mosin-Nagant M91/30 (Russland/UdSSR), Springfield 1903 (USA), Enfield SMLE (UK), Carcano M91 (Italien), Arisaka Typ 38/99 (Japan).
- Historische Selbstladegewehre: Mas 49/56 (Frankreich), Garand M1 (USA), SVT-40 (UdSSR), G43 (Deutschland).
- Kurze Karabiner: Mas 36 CR39 para, M1 Carbine .30, Mauser Kar 98k Kurzversion.
- Ordonnanz-Pistolen und -Revolver: Mab D, Luger P08, Walther P38, Tokarev TT-33, Colt 1911 A1, Mas 1873, Nagant 1895.
Die Waffe muss sich in ihrer Originalkonfiguration befinden, mit ihrer Holzschäftung, ihrer mechanischen Visierung, ihrem Werkskaliber. Kein gekürzter Lauf, kein ausgetauschter Schaft, kein nachträglich montiertes optisches Zielfernrohr (außer in der eigenen Sniper-Kategorie für Waffen mit werkseitiger Ausstattung, wie das K98 ZF41).
Die TAR-Disziplinen
Drei Distanzen bilden das Gerüst der meisten Wettkämpfe:
- 50 Meter: Karabiner mit Zentralfeuer- oder Randfeuerzündung, liegende Position, Standardscheibe C50.
- 100 Meter: militärische Repetiergewehre, liegende und stehende Position, Scheibe C200.
- 200 und 300 Meter: Repetier- und Selbstladegewehre, liegende Position, internationale Scheibe.
Geschossen wird überwiegend mit der originalen mechanischen Visierung — Lochkorn oder Kimme, je nachdem, was die Waffe vorsieht. Das macht die Disziplin anspruchsvoll: Das Zielen mit einem Mas 36 auf 200 Meter erfordert ein feines Ablesen, perfekte Stabilität und Kenntnis der Eigenheiten der Waffe (die Kimme eines Mas 36 ist dafür bekannt, auf 200 etwas hoch zu zielen, der K98 verlangt auf bestimmten Distanzen einen Haltepunkt am Fuß der Scheibe).
Warum TAR praktizieren
Vier Gründe tauchen in der Community immer wieder auf.
Das Erbe. Einen Mas 36 abzufeuern, den vielleicht dein Großvater 1944 getragen hat, ist keine Metapher — es ist eine haptische und historische Erfahrung, die du in keiner anderen Disziplin findest.
Die Ästhetik. Ein Walnussschaft, ein gefräster Repetiermechanismus, ein Kaliber 7,5×54 — das ist mechanisch und optisch Lichtjahre von einem modernen Polymer-PCP entfernt.
Die technische Herausforderung. Kein optisches Zielfernrohr, kein Match-Abzug, kein Carbon-Zweibein. Du schießt mit dem, was der Arbeiter in Châtellerault damals aus der Fabrik geschickt hat. Wenn du auf 200 m mit einem Berthier eine Zehn triffst, hast du sie dir verdient.
Die vernünftigen Munitionskosten. Die militärischen Kaliber (.30-06, 7,5×54, 7,92×57, 8×50R Lebel) werden in großer Serie von Prvi Partizan, Sellier & Bellot, S&B Match produziert. Man bleibt bei den meisten unter 1€/Schuss, gegenüber 2-4€/Schuss bei modernem .300 PRC oder .338 Lapua. Und die Mehrheit der TAR-Schützen lädt selbst — das halbiert die Kosten nochmal.
Wo praktizieren
Die meisten FFTir-Vereine haben eine TAR-Aktivität, wenn der Schießstand es erlaubt (100 m und mehr). Suche auf fftir.org einen angeschlossenen Verein in deiner Region und schau, ob er TAR-Termine anbietet. Die spezialisierteren Vereine sind bei der FFTAR angeschlossen — etwas seltener, aber sie organisieren die großen nationalen Wettkämpfe.
Um konkret zu starten: Hol dir eine FFTir-Lizenz, mach ein paar Schnuppertermine mit einer vom Verein geliehenen Waffe (die meisten haben einen Mas 36 oder einen Mosin-Nagant im Rack für Einsteiger), und wenn es dich packt, fang an, nach deiner eigenen Waffe zu suchen.
Die Grundausstattung
Ein gebrauchtes Militärgewehr in gutem Zustand findest du zwischen 400 und 1.200€, je nach Modell und Zustand. Die Mosin-Nagant bleiben am erschwinglichsten (300-500€), die Mas 36 steigen (600-900€), die originalen K98 (keine Repliken) klettern schnell (800-1.500€). Die Garand sind teurer und verlangen etwas mehr Papierkram beim Import.
Du brauchst:
- Einen A2P-zertifizierten Waffenschrank, wenn die Waffe Kat. C oder B ist (die meisten sind Kat. C).
- Einen militärischen oder neutralen Trageriemen (der Originalriemen tut es auch).
- Ein zum Kaliber passendes Reinigungsset.
- Eine Tragetasche oder einen Transportkoffer.
- Moderne Militärmunition oder das Nötige zum Selbstladen (Presse, Hülsen, Pulver, Geschosse, Zünder).
Und für die Veteranen: Ein Set Büchsenmacherwerkzeug (Schlüssel, Austreibdorne, Entspannhülse für den Mas 36) ist schnell nützlich, weil diese Waffen 60-90 Jahre alt sind und ernsthafte Pflege brauchen.
Das Reglement kurz gefasst
Das FFTAR-Reglement definiert die Waffenkategorien (A1, A2, B1, B2, C, D je nach Mechanismus, Epoche, Typ), die zulässigen Distanzen, die Schießpositionen und die Fristen. Die meisten Wettkämpfe finden mit 13 Wertungsschüssen + 1 Probeschuss auf Papierscheibe statt. Liegende Position mit oder ohne Auflage je nach Kategorie. Kein modernes Zweibein, kein technisches Kissen — der militärische Trageriemen ist erlaubt, das bringt den Schützen näher an den historischen Gebrauch.
Wie du startest
- Erste Session: Einführung im Verein, geliehene Waffe. Du prüfst, ob der Kontakt mit dem Kammerverschluss dich stört (das Laden ist absichtlich langsam ritualisiert).
- Erster Monat: 3-4 Sessions, um die Ladefolge, den Auswurf und die Einstellung der mechanischen Visierung zu meistern.
- Erster Kauf: Mosin-Nagant oder Mas 36, wenn du auf Französisch setzt. Kaliber 7,62×54R oder 7,5×54. Finde einen seriösen Verkäufer (Büchsenmacher, Waffenmesse, spezialisierte Plattform), prüfe den Laufzustand wenn möglich per Boroskop.
- Erster Wettkampf: Komm als Zuschauer zu einem Kreiswettkampf. So verstehst du die Logistik, bevor du dich anmeldest.
FAQ
F: Ist TAR für Einsteiger zugänglich? A: Ja. Es ist sogar ein hervorragender Einstieg ins Präzisionsschießen — die Waffen sind mechanisch nachsichtig (beherrschbarer Rückstoß, kein tückischer Abzug), und die Community ist geduldig, weil sie oft genauso angefangen hat.
F: Braucht man historisches Wissen, um zu praktizieren? A: Nein, aber es stellt sich schnell ein. Im Verein und in der Community wird ständig über Herkunft, Fabrik, Markierungen diskutiert. Du lernst es zwangsläufig mit.
F: Wird eine moderne Replik akzeptiert? A: Nein. TAR verlangt eine authentische historische Waffe. Moderne Nachbauten (Typ Pedersoli, Davide Pedersoli) haben ihre eigene Kategorie im Vorderladerschießen, nicht im modernen TAR.
F: Welches Gesamtbudget für einen guten Start? A: Rechne mit 1.200-1.800€ komplett ausgestattet: Waffe 400-1000€, Schrank 200€, Munition 100€ fürs erste Halbjahr, Zubehör 100-200€, Lizenz und Beitrag 250-400€.
F: Zählt TAR für die drei FFTir-Saisons Richtung Kategorie B? A: Ja. Eine im Schießbuch abgestempelte TAR-Session zählt genau wie eine Pistolen-Session auf 25m für die Berechnung der Saisons.
Weiterführend
- Digitales Schießbuch: die App für alle Sportschützen
- FFTir-Lizenz und Präfekturgenehmigungen: Vorgehen 2026
- Dein Absehen und die Ballistik verstehen

