Mrad vs. MOA: die Grundlagen
Zwei Systeme dominieren das Segment der Präzisionsschüsse:
Mrad (Milliradian): 1 Mrad = 10 cm bei 100 m, 20 cm bei 200 m, 1 m bei 1.000 m. Metrisch, rechnerisch einfach. In Europa und PRS dominierend.
MOA (Minute of Angle): 1 MOA ≈ 2,9 cm bei 100 m. Nicht rund, aber traditionell in der amerikanischen Schießkultur. Gute Präzisionsgewehre mit 1 MOA-Genauigkeit zu vermarkten ist marketingüblich — heißt, ein Schuss-Trefferbild von etwa 2,9 cm bei 100 m.
Welches wählen? In Deutschland arbeiten die meisten PRS-Schützen mit Mrad. Es passt zum metrischen System. Wenn dein Zielfernrohr Mrad-Clicks hat und deine Tabellen in Mrad sind, ist alles konsistent. Wechsel nicht mitten im Training.
Die wichtigsten Absehenfamilien
Mil-Dot-Absehen: Klassiker. Punkte auf dem Kreuzfadenleiter in 1-Mrad-Abständen. Ermöglicht Entfernungsschätzung und Haltepunktkorrektur. Läuft in der ersten oder zweiten Brennebene.
Rasterabsehen (Grid Reticle): Vollständiges Mrad-Raster über das gesamte Sehfeld. Optimal für schnelle Haltepunktkorrekturen ohne Clicks. Standard im PRS.
BDC (Bullet Drop Compensator): Markierungen für vorbestimmte Distanzen (z.B. 200, 300, 400, 500 m) basierend auf einer bestimmten Munition. Praktisch — aber nur wenn die eigene Munition zur Kalibrierung passt. Sonst irreführend.
Leuchtabsehen: Vorteil bei schlechten Lichtverhältnissen. Im Wald oder bei bewölktem Himmel relevant. Kaum Nachteil, solange die Batterie hält.
Erste vs. zweite Brennebene
Erste Brennebene (FFP — First Focal Plane): Das Absehen ändert seine scheinbare Größe mit dem Zoom. Die Mrad-Abstände bleiben bei jeder Vergrößerung korrekt. Ideal für variable Distanzen, PRS.
Zweite Brennebene (SFP — Second Focal Plane): Das Absehen bleibt gleich groß, egal bei welchem Zoom. Mrad-Abstände stimmen nur bei maximaler Vergrößerung. Vorteil: feineres Absehen bei hohem Zoom für Präzision.
Empfehlung: Für PRS und variable Distanzen → FFP. Für Benchrest bei fixer Vergrößerung → SFP.
Clicks: wie viel bewegt ein Click?
Standard: 0,1 Mrad pro Click (1 cm bei 100 m). Einige Optiken: 0,05 Mrad (feiner) oder 1/4 MOA (0,7 cm bei 100 m).
Beim Schießen: Notiere immer, wie viele Clicks du in welche Richtung korrigiert hast. Im Schießtagebuch (Schießbuch) als Note eintragen — nach 5 Einheiten erkennst du systematische Abweichungen.
Ballistik-Apps und Tabellen
Apps wie Applied Ballistics, Hornady 4DOF oder Kestrel-Integration berechnen die Flugbahn deiner Munition für jede Distanz unter aktuellen Umgebungsbedingungen. Inputs: Gewehrhöhe, BC des Geschosses (G1 oder G7), MV, Atmosphäre.
Ohne diese Daten bist du auf Haltepunktschätzung angewiesen. Mit ihnen: präzise Clicks bei 800 m. Trag den BC und MV deiner Munitionscharge einmal ein — und prüfe sie regelmäßig durch Einschießen.
Was nun?
Ein gutes Absehen macht nur Sinn mit einem guten Trainingstagebuch. Trag jeden Schuss im Schießbuch ein — Distanz, Korrektur in Mrad, Wind, Ergebnis. So bauen sich eigene Schussdaten auf, die keine App ersetzt.